Nachbericht zur Podiumsdiskussion zum Thema Generation Z:

Alpakas und agiles Arbeiten

Agile Zusammenarbeit zwischen Kreativagentur und Auftraggeber – alles an einem Tisch. Arbeitsalltag für die Creative Consultancy papabogner und die Erste Bank. Auf Einladung von Strategie Austria diskutierten David Bogner und Philipp Papapostolu von papabogner gemeinsam mit Mario Stadler, Head of Marketing Communications, Erste Bank im Sneak In in der Siebensterngasse Fragen wie: Wie kam es zu dieser Art von Zusammenarbeit? Was genau ist der Content Table? Und worauf soll man als Arbeitgeber in Zukunft achten?

Die Marketing-Branche steckt in einer Krise, vor allem was Markenkommunikation betrifft. Die Relevanz von großen Marken sinkt und es wird schwieriger, Aufmerksamkeit und Vertrauen der KonsumentInnen zu gewinnen. Vor allem Skandale wie der von VW tragen zu dieser Entwicklung bei. Im Hinblick auf die Generation Z, damit sind jene Menschen gemeint, die zwischen 1995 und 2010 geboren wurden, gibt es Aufholbedarf, denn hier stoßen die traditionellen Kommunikationswege weitgehend an ihre Grenzen.

Ein Schilling für die Telefonzelle

Zur Einstimmung präsentierte Slam-Moderatorin Diana Köhle (liebestagebuch.at) Zitate aus Tagebüchern von 1916-2014. Sie zeigte die Gemeinsamkeiten der jungen Erwachsenen über die vergangenen Jahrzehnte auf, und natürlich amüsante, längst überholte Zeiterscheinungen. Fazit: Man ist nie zu alt (und die Welt nie zu digital) zum Tagebuch schreiben. Durch den Abend führte Nicole Thurn, Gründerin newworkstories.com und freie Journalistin.

Von Millennials für Millennials

Für die kommende Generation der KonsumentInnen (Anteil 2020 ca. 40%) und ArbeitnehmerInnen sind nicht mehr nur der Preis eines Produktes oder der Name eines Arbeitgebers von Bedeutung. Der Generationenwandel stellt Werte wie Gesundheit, Eigentum und Mobilität, Gender Equality, Nachhaltigkeit, Umwelt und auch Politik in den Vordergrund. „Unternehmen dürfen den gerade stattfindenden demographischen Wandel nicht aus den Augen verlieren und sollten die Generation weniger als Jammerlappen und mehr als Visionäre sehen“, so David Bogner, Co-Gründer und Inhaber von papabogner. „Doing great work and having a good life” – so das Motto der jungen Agentur papabogner.

200 Jahre alt, aber fit wie der neueste Sneaker

„Es gibt so viele Geschichten aus den verschiedensten Geschäftsbereichen zu erzählen, auch zwischen den großen Kampagnen“, so Mario Stadler, Head of Marketing und Communications der Erste Bank. „Wir haben gespürt, dass wir etwas verändern müssen.“ Dann hatte Martin Radjaby-Rasset, die Idee, bereichsübergreifend einen Open Space zu kreieren, an dem auch tagesaktuelle Themen einen Platz finden. „Martin hatte die Vision inhaltgetriebene Kampagnen mit großer Strahlkraft und Emotion zu versehen“, erzählt Papapostolu, Co-Gründer und Inhaber von papabogner. Ziel war, ein großer Konferenztisch im Eingangsbereich der Erste Bank, an welchem täglich wechselnde Personen aus diversen Bereichen, Platz nehmen und Stories produzieren. Die Lösung: Der Content Table.

Der Verstand isst mit

„Zuerst galt es, die leeren Kilometer, die für Briefings drauf gingen zu minimieren und die Hierarchien flach zu halten“, so Bogner. “On the spot” lautet die Devise – alle Entscheidungen werden am Tisch getroffen. Agiler geht’s nicht. So braucht es keine Feedbackschleifen, wichtig ist jedoch, dass jeder am Tisch die Marke kennt, weiß wofür sie steht und einschätzen kann, was geht und was nicht. „Gemeinsam flexibel sein – keine Trennung zwischen Kunde und Agentur. Was aber nicht dasselbe ist, wie eine Inhouse-Agentur“, betont Bogner. Papabogner soll die Perspektive der Gen Z liefern und sich nicht nur am Kunden orientieren. „Die Erste Bank traut sich Dinge auszuprobieren und gibt Freiraum für Fehler, das ist für unsere Arbeit extrem wichtig.“

Schöne neue Arbeitswelt

Auch, wenn der Großteil der Gen Z erst in den kommenden Jahren ins Arbeitsleben einsteigt (ab 2020 sollen es über 30 % sein), heißt es für Unternehmen schon jetzt: „Möglichkeiten bieten etwas zu bewegen, Haltung beweisen und für etwas stehen. Für alles andere ist die Zeit zu schade“, hält David Bogner fest. „Wir müssen uns auf die neue Generation einlassen. Nobody is perfect, aber einfach machen ist immer besser, als nichts zu tun“, sagt Stadler. „Wir durchleben einen kulturellen Wandel – ausgelöst von der Gen Z – der alle Arbeits- und Lebensbereiche durchdringt. Wir müssen unsere gesamte Arbeitswelt neu denken – wir müssen überhaupt neu denken“, so Hildegard Linsbauer, freie Marken- und Kommunikationsstrategin und Vorstandsmitglied von Strategie Austria. „Deshalb widmen wir von Strategie Austria der Generation Z gleich zwei Schwerpunkte in diesem Jahr.“