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Aktuell: #28 Lukas Hetzendorfer
Der Work-Life-Balance-Schmäh
Warum der Ausdruck veraltet ist und warum es mehr Romantik braucht

Der Work-Life-Balance-Schmäh

Für mich beschreibt der Ausdruck Work-Life-Balance eine falsche Realität. Alleine die Formulierungen “Work” und “Life” deuten an, dass es eine Trennung gibt und geben muss. Nachdem aber weder unser Gehirn noch unser veränderter Arbeitsalltag trennscharf funktionieren, kann diese Unterscheidung zwischen “Work” (= vermeintlich mühsam) und “Life” (= angenehm und erfüllend) einfach nicht (mehr) vorgenommen werden. Diese Unterteilung kommt aus einer Zeit, als das Wort “Arbeit” noch negativ besetzt war, frei nach dem Motto: Weg vom Fließband hin zum Leben.

Das Drum-Herum anpassen

Entscheidend ist nicht, wie man Work und Life trennt, sondern wie man beide Dinge vereint: Wie kann ich mein Privatleben mit meinem Berufs-Alltag kombinieren? Welche Rahmenbedingungen müssen vorliegen? Gefragt ist in heutigen Zeiten ein reguliertes Home Office inklusive Zeiten von Nicht-Erreichbarkeit, Vertrauen in die Mitarbeiter (Stichwort: New Work) und der wichtigste Faktor ihrer Zufriedenheit überhaupt: Empowerment, also das Gefühl, die Dinge eigenständig gestalten zu können und keinem Micromanagement zu unterliegen – dieser stetigen Mischung von Nicht-Loslassen-Können des Leaderships und dem Irrglauben, dass MitarbeiterInnen jede Gelegenheit ausnutzen, nicht arbeiten zu müssen.

Was Unternehmen in Zeiten von New Work umsetzen sollten:

  • Eine verschriftlichte Home-Office-Regelung inkl. Zeiten der Nicht-Erreichbarkeit, die idealerweise im Kalender abgebildet ist
  • Weg von Input (= Arbeitszeit), hin zu Output (= Ziele und Aufgaben)
  • Zurückhaltung der Vorgesetzten im Daily Business und mehr Fokus auf “people management”.

Startkapital für den Tag

Und was sollten wir für die persönliche „Balance“ umsetzen? Mir ist ein Tipp in Erinnerung geblieben, der sich für mich als der beste Weg zum Ziel herausgestellt hat: “Win the Morning, win the Day”. Wir alle kennen es: Der Wecker läutet um 7:15 und sofort geht das Kopfkino los: Wie viele Minuten hat man noch, bis man das Haus verlässt, die U-Bahn kommt, u.s.w. Dabei kommt jede Minute, die man in den Morgen investiert, zehnfach zurück. Sei es das etwas frühere Aufstehen oder die berühmte Jogging-Runde, die gerne auch nur fünf Minuten lang sein kann. Deswegen mein Tipp: Sich selbst mehr Zeit am Morgen gönnen. Dadurch wird jeder Tag ein bisschen besser, man fühlt sich wohler, ist selbstbestimmter, entspannter, produktiver und kann dadurch die Work-Life-Romance erzielen, die wir uns alle so wünschen.

Autor: Lukas Hetzendorfer ist selbständiger Unternehmensberater mit Schwerpunkt Marketing und Sales. Nach einem Studium an der FH St. Pölten begann seine Karriere bei MediaCom Wien. Im Anschluss daran machte er ein MBA-Studium in Singapur mit Schwerpunkt Personalmanagement. Wieder zurück in Wien arbeitete er als Big Data Projekt-Leiter für T-Mobile und verbrachte dann die letzten dreieinhalb Jahre bei Google in Irland. Seit Oktober 2019 lebt er wieder in Österreich.

​​Illustration: www.lanalauren.design