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Aktuell: #12 Thomas Limbüchler
„Dezentralisierung als Strategie für die Zukunft!“
Die gute Macht sozialer Strukturen

Dezentralisierung als Strategie für die Zukunft!

Muhammad Yunus und Richard Fuld hatten an zwei unterschiedlichen Orten dieselbe Idee: Geld an Menschen zu verleihen, die selbst nicht genügend haben. Die Idee von beiden war zwar im Grunde genommen dieselbe – die Folgen hätten aber kaum unterschiedlicher ausfallen können. Yunus, Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch, wurde für sein Konzept des Mikrokredits 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Fuld hingegen, CEO der Investmentbank Lehman Brothers, hatte zwei Jahre später durch die Insolvenz seines Unternehmens einen Flächenbrand ausgelöst und das internationale Finanzsystem gegen die Wand gefahren.

Todessterne – too big to fail?

Wie kann ein und dieselbe Idee zu so unterschiedlichen Resultaten führen? Die Antwort liegt mitunter in den zugrunde liegenden Strukturen: Auf der einen Seite die zentralistische, sternförmige Struktur des internationalen Finanzwesens und auf der anderen Seite die netzartige, dezentrale Struktur des Mikrokredits.

Im Falle der Investmentbank sehen wir die sternförmige Struktur des internationalen Finanzsystems mit großen Knotenpunkten an zentralen Stellen. Diese Sternstruktur konzentriert Profite gleichermaßen wie Risiken in der Mitte. Fällt die Zentrale aus, zieht sie ihre Peripherie in den Abgrund. Ebenso wie Luke Skywalker in einem kleinen Raumgleiter mit einem einzigen Treffer in die Energiezentrale den ganzen Todesstern des Imperiums vernichtet. Ähnlich erging es dem zentral organisierten „Brockhaus“, der Wikipedia zum Opfer fiel.

Chance und Notwendigkeit

Wir können heute vielerorts beobachten, wie die Vernetzung unserer Gesellschaft die Umformung von Sternstrukturen zu dezentralen Netzstrukuren (sogenannte Peer-to-peer-Netzwerke) beschleunigt. Dadurch entsteht nicht bloß die Chance, sondern sogar die Notwendigkeit nach neuen Strategien. Nahezu alles – Geschäftsmodelle, Markensysteme etc. – lässt sich in dezentralen Strukturen organisieren. Solche Strategien sind nicht nur widerstandsfähiger gegenüber Wandel, sondern resilienter, anpassungsfähiger, unabhängiger und flexibler gegenüber der täglichen Erosion, die das digitale Zeitalter mit sich bringt.

Unabhängig davon, ob man die Entwicklungen von zentralen zu dezentralen Strukturen in naher oder ferner Zukunft sieht oder ob man mit ihnen überhaupt konform geht, eines ist sicher: Um gegen die disruptiven Kräfte der Digitalisierung anzutreten, braucht es vor allem das richtige Mindset und ein Umfeld, das psychologische Sicherheit und Beweglichkeit im Denken und Tun gibt.

Autor: Thomas Limbüchler ist Digital Strategist & UX Architect bei PKP BBDO & DDB sowie Young Professional bei Strategie Austria. Lust zu diesem und anderen Themen zu diskutieren? Einfach unter: www.medium.com/eigensinn

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