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Aktuell: #8 Bettina Schatz
Markenstrategie ist kein Silo mehr.
Oder: Wie digitale Transformation neue Zugänge erfordert.

Markenstrategie ist kein Silo mehr

Noch vor ein paar Jahren verkaufte ich Markenstrategie folgendermaßen: Analysiere den Markt, das Problem deines Kunden, erkenne die Bedürfnisse der Konsumenten, entwickle passend darauf eine Strategie und platziere die Marke als Problemlöser. Ein Prozess, der von Experten vorangetrieben, relativ einseitig durchexerziert wurde. Der Konsument selbst hatte oft weder Gelegenheit, sich an der Lösung zu beteiligen, noch sein Feedback zu platzieren. Markenstrategie ist jedoch heute kein Silo mehr, wo losgelöst von Verkaufsstrategien, Produktentwicklung und technologischen Gegebenheiten eine Marke entwickelt wird. Denn heute wird der Konsument viel intensiver in den gesamten Prozess involviert.

Dazu haben auch die massiven Technologiesprünge beigetragen. Ob Smartphone oder Instagram-Account – Technologie ist allgegenwärtig, privat genutzt oder beruflich eingesetzt. Technologie treibt Unternehmen in eine digitale Transformation. Wann immer Sie davon etwas hören, seien Sie versichert, jeder meint dabei etwas anderes, aber prinzipiell bringt digitale Transformation neue Geschäftsmodelle mit sich.

Wenn ich an digitale Transformation denke, ist sie unweigerlich mit dem Begriff „MVP“, wörtlich übersetzt: minimal überlebensfähiges Produkt, verbunden. Es geht nicht mehr darum, Prozesse unnötig in die Länge zu ziehen, um die beste Lösung zu finden, es geht heute darum, Kundenfeedback in Echtzeit in den Prozess einzubauen und dann schnellstmöglich Produkte marktfähig zu machen – indem man sie oft schlichtweg einfach ausprobiert. Trotz der schnelleren Produktzyklen bildet die Markenstrategie weiterhin das Fundament des Erfolges.

Ein sehr gutes Fallbeispiel dafür finden wir im Bankensektor, wo Unternehmen (Fintecs) spezialisierte, kundenzentrierte Finanzdienstleistungen mit Hilfe moderner Technologie in Rekordzeit auf den Markt bringen. Sie entwickeln Produkte, bei denen traditionelle Banken ressourcentechnisch und organisatorisch an ihre Grenzen stoßen.

Wirklich Erfolg als Stratege hat man aber erst, wenn man ein System entwickelt, das sich schnell an Marktanforderungen anpasst, immer gleich abläuft und auf viele Branchen anwendbar ist – Stichwort: Skalierbarkeit. Zusammengefasst bedeutet das: die beste Markenstrategie hilft nichts, ohne anpassungsfähiger, flexibler Produkt-, und Verkaufsstrategie. Denn erst das perfekte Zusammenspiel von Marke, Produkt- und Verkaufsstrategie führt zur Marktführerschaft.

Autorin: Bettina Schatz, Vorstandsmitglied von Strategie Austria, leitet seit 2013 das Marktanalyse-Team bei willhaben und sorgt zudem mit insight-basierenden Tools als Sales Coach für mehr Motivation und Wachstum im Verkaufsteam. Zudem setzt sie seit 2017 ihre Expertise für Markenaufbau und Potentialanalyse verstärkt bei einem Fintec Unternehmen ein. Davor war sie 10 Jahre als Markenstrategin bei Agenturen wie Draft FCB und Ogilvy tätig.

​​Illustration: www.lanalauren.design