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Aktuell: #9 Ulli Helm
Nach dem Slam ist vor der Strategie.
Oder: Achtung, jetzt wird’s anstrengend.

Nach dem Slam ist vor der Strategie.

Am 11. Oktober 2018 fand er zum 4. Mal statt: Der International Strategy Slam. Und diesmal nicht als D-A-CH-Initiative sondern mit 7 Slammern aus 6 europäischen Ländern. So unterschiedlich die Cases, ergibt sich doch eine Checklist für das nächste eigene Projekt. Und leider ist die recht mühsam.

  1. A problem well stated is half solved.
    Das Problem als des Pudels Kern zu sehen und geradezu akribisch zu suchen, ist die erste Anstrengung. Haben wir Dinge nur vage als Herausforderung tituliert, bringt uns das im Strategieprozess keinen Schritt weiter. Oder: Wer kein Problem hat, hat wirklich eines.

  2. Don’t ask why. Ask why’s.
    Dank Simon Sinek hat sich das Wort Why zu einem strategischen Beststeller entwickelt. War schon mühsam, dieses zu finden. Und jetzt soll man sich mit dem ersten „Warum ist das so?“ nicht zufriedengeben, sondern weiterfragen und weiter… bis das wahre Motiv Schicht für Schicht freigelegt ist. Puh, zurück zu Punkt 1.

  3. Challenge the target audience.
    „Address the supporters, not the suffering“, war die Botschaft im Mental-Health-Kontext von Männern. Mit dem Ergebnis vor Augen, sieht der Shift so naheliegend aus. Aber: Hand auf´s Herz – wie oft sind wir wirklich kritisch, die postulierten Zielgruppen zu hinterfragen? Wie besessen suchen wir nach dem Insight, der neue Perspektive und echte Relevanz bringt? Siehe Punkt 2.

  4. What are we waiting for?
    Stopp, vielleicht sollten wir kurz innehalten und vom grandiosen Wow-Projekt auf unserem Schreibtisch aufblicken. Die bittere Erkenntnis: Die wenigsten Menschen werden darauf sehnsüchtig gewartet haben. Die zweite Erkenntnis: Jetzt bloß nicht die Zielgruppen fragen, was sie sich erwarten. Sehr oft werden sie sich hinter allgemeinen Floskeln wie Vertrauen, Sicherheit etc. verstecken. Und dann? Zurück zu Punkt 3.

  5. Storydoing ist das neue Storytelling.
    Klingt toll, leider auch eine Challenge. Jetzt müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie wir Erlebnisse generieren. Und zwar solche, die in unserer Instant-Welt Bedeutung haben, Faszination erlangen, die Marke aufladen, aus der Gleichförmigkeit herausstechen. Denn gewartet hat darauf wohl leider niemand. Nachzulesen unter Punkt 4.

So gesehen: Danke, liebe Slammer, dass Ihr es uns unbequem macht, anstrengend und zach.

Wir wollen ja alle besser werden. Vielleicht schon bis zum nächsten Jahr, damit wir selbst einen Case einreichen können zum Strategy Slam.

Autorin: Ulli Helm, Vorstandmitglied STRATEGIE AUSTRIA, war 20 Jahren in großen Kommunikationsnetzwerken tätig. 2011 hat sie die „wiesowarum! Strategieberatung“ gegründet, weil sie findet, dass es zu viele schnelle Antworten gibt. Und die Arbeiten, auf die sie am meisten stolz ist, immer mit guten Fragen begonnen haben.

​​Illustration: www.lanalauren.design