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Aktuell: #2 Sonja Prem
„Wie findest du mich?“
Warum Eigeninteresse eine Strategiefalle ist.

Wir brauchen Feedback und Austausch, um uns zu entwickeln. Ganz klar! Egal ob als Menschen, Unternehmen, Marken. Und noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten dazu.

Aber macht uns das besser? Nutzen wir diese Interaktionen, um zu gedeihen, unsere Identität zu stärken, unsere Fähigkeiten zu kultivieren? Bringt es uns anderen näher? Bringt es uns weiter? Wirklich?

Social Media, Blogs, Foren, Messengerdienste & Co haben uns zu einer exzessiven Selbstdarstellungs- und Bewertungs-Gesellschaft gemacht. Ja, es fühlt sich großartig an, gut anzukommen. Nur ufert dieses Bedürfnis aus, wird es gefährlich. F. D. Roosevelt warnte: Self-interest is the enemy of all true affection.

Was meint er? Überzogenes Eigeninteresse macht blind dafür, wie es anderen geht. Es macht taub für das, was andere sagen. Es macht verständnislos dafür, was andere denken und fühlen.

Warum diese Beobachtung in einem Strategie-Blog?

Viele Strategien scheitern am Selbstfokus! Verantwortliche schlittern in ihrem engagierten Bemühen, Konsumenten zu begreifen in diese „Wie-findest-du-mich“-Falle. Ganz unbewusst! Und drehen viele Runden in der Selbstoptimierungsblase, losgelöst von den Menschen, für die sie sich eigentlich ins Zeug legen.

Darum möchte ich Sie sensibilisieren: für den psychologischen Filter „Eigeninteresse“.

Er sorgt für blinde Flecken und filtert oft genau das weg, wo Chancen für Neues liegen, wo strategische Hot-Spots stecken.

Die interessantesten Chancen, die einen echten Schub bringen, findet man meist nicht in (standardisierten!) Imagekriterien, Performance-Analysen, Brandtrackings, Wettbewerbs-Monitoring. Sie findet man im Leben der Menschen, für die man da sein möchte.

Was also tun, um diese „Über“-Chancen zu erkennen?

Ändern Sie die Fragestellung von Wie komm` ich an? zu Wie geht es dir? Von Wie bin ich? zu Wie kann ich DIR helfen?

Legen Sie die Unternehmensbrille ab. Verlassen Sie die Branchenperspektive. Aus der Perspektive der Menschen sehen Sie mehr.

Unterscheiden Sie genau: Was beeindruckt Sie? versus Was beeindruckt Ihre Kunden! (Ich habe hier schon erstaunliche Diskrepanzen erlebt)

Vertrauen Sie darauf, dass Sie umso interessanter werden, je interessierter Sie sind.

Oder denken Sie daran, wie SIE sich fühlen, wenn jemand von Ihnen nur wissen will, wie Sie ihn finden. Wie sehr sind Sie bereit, sich zu öffnen und auf ihn einzulassen? Eben!

Fettes P.S.: Zu wenig Interesse für sich selbst ist aber auch eine Falle!

Autorin: Sonja Prem ist selbstständige Marken- und Kommunikationsstrategin und in ihrem dritten Jahr als Präsidentin für Strategie Austria engagiert. Ihre Erkenntnis aus vielen Jahren Strategiearbeit: Um gute Strategien zu entwickeln, muss man auch die Fallen kennen. Ganz im Sinne von „Mind the Trap“ sensibilisiert sie hier für eine zutiefst menschliche Strategiefalle.

​​Illustration: www.lanalauren.design