Generation Haram

Titel: Generation Haram

Autor: Melisa Erkurt (Zsolnay Verlag)

Rezension von: Kaitlyn Chang, Accenture Interactive
Strategie Austria-Mitglied seit: 2018

Inhalt des Buches:
Melisa Erkurt, Journalistin und Lehrerin in Wien, wurde in den 90er Jahren in Sarajevo geboren und war selbst ein Flüchtlingskind aus dem Bosnien-Krieg. Dieses Buch ist eine Sammlung von ihren Reportagen und Kolumnen für das Magazin „biber“, die sie als Lehrerin in sogenannten „Brennpunktschulen“ in Wien geschrieben hat. Sie gibt damit tiefe Einblicke über die aktuelle Situation und Grundprobleme des österreichischen Schulsystems zum Thema kulturelle Diversity und Rassismus. Mit viel Empathie und gleichzeitig exakter Objektivität erklärt Erkurt die Hintergründe von vielen Vorurteilen und zeigt mögliche Lösungen auf, damit unsere Schulsysteme endlich lernen können, allen eine Stimme zu geben.

Take-Away in Kürze:
Wir sollen davon ausgehen, dass Familien von Kindern mit Migrationshintergrund meistens nicht in der Lage sind, die Kinder beim Lernen für die Schule und bei einer erfolgreichen „Integration“ in die Gesellschaft zu unterstützen. Daher ist es unverantwortlich, diese Rolle allein den Familien zuzuschieben. Wenn man das tut, ergeben sich automatisch weitere, langfristige gesellschaftliche Probleme. Wien ist Hauptstadt Europas, wenn es um den höchsten Migrationsanteil geht. Das bedeutet natürlich, dass viele Kinder mit Migrationshintergrund in unserem Schulsystem sind, das eigentlich nur für Kinder mit Deutsch als Muttersprache geeignet ist und das mit wenig Rücksicht für kulturelle Vielfalt entwickelt wurde. Deshalb ist der Mangel von kultureller Diversity und Inklusion ein gesellschaftliches Problem, nicht ein individuelles und persönliches der betroffenen Kinder. Dieses Problem kann nur systematisch auf gesellschaftlicher Ebene gelöst werden.

Mein persönlicher Aha-Moment:
Aus vielen unterschiedlichen Aha-Momenten mein persönlicher Lieblingsmoment: Rassismus, und die Täter und Opfer davon, nur aufgrund biologischer Hautfarbe zu definieren, ist ein altmodisches Konzept aus vergangenen Jahrhunderten. Es macht überhaupt keinen Sinn zu sagen, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe nie Täter von Rassismus sein können, und auch nicht, dass Muslime mit weißer Hautfarbe nie Opfer von Rassismus sein können. Aufgrund der Globalisierung und viel Migrationen zwischen unterschiedlichen Ländern und Regionen sieht man in einem Land heutzutage einfach viel öfter Diskriminierungen gegen alles, was vom uralten Selbstbild jenes Landes abweicht. Und all diese Diskriminierungen von „Anderen“ sollen auch als „Rassismus“ bezeichnet werden, egal ob es um Hautfarbe, Religion oder einfach andere Herkunft/Kultur geht – denn nur wenn wir ein Problem benennen können, sind wir in der Lage, es letztendlich zu lösen.

Das werde ich noch oft zitieren:

  • Privilegien spürt man nicht, man spürt sie nur, wenn man sie nicht hat.
  • Rassismus ist ein politisches Problem und kann also auch nur politisch gelöst werden.
  • Wenn Migranten endlich aufstehen und offen über Diskriminierung berichten, nicht mehr wie ihre Eltern alles hinnehmen, dann zeigt das, wie wichtig ihnen Österreich ist, dass sie sich hier zu Hause fühlen und deshalb auch so behandelt werden wollen, als sei es ihr Zuhause. Wenn diese Generation […] offen über Rassismus spricht, dann […] hört uns zu – denn es hat lange gedauert, bis zumindest manche von uns ihre Stimme gefunden haben.

Der Grund für den Kauf war:
Mehr als 10 Freundinnen haben das Buch stark empfohlen. Ich bin selbst in Südkorea geboren, aber in den USA aufgewachsen. Deswegen weiß ich nur zu gut, wie es war, in der Schule das Kind zu sein, das „anders“ ist. Da ich seit 2012 hier in Wien als „Ausländerin“ wohne und auch in Diversity-Themen stark involviert bin, war ich sehr gespannt auf das Buch – jetzt bin ich komplett begeistert davon. Es ist das erste Buch, das so ehrlich über Rassismus und kulturelle Diversity in Österreich spricht. Und sogar mit so viel Liebe.

Meine Verkaufsheadline für das Buch:
Der brandaktuelle Titel der österreichischen Buchszene. (Ich habe sogar gesehen, dass es gerade bei Thalia der Nummer 1 Bestseller ist – und dass der Name der Autorin trotzdem falsch geschrieben war. #ClassicFail)

Das Buch ist ein Muss für:
Alle, die sich für das Thema Diversity & Inklusion in Österreich interessieren.

Kaitlyn Chang,