Mit offenem Ausgang bauen

Ich habe mich verliebt. In ein Wort: Ambiguitätstoleranz.
Es kam von Elisabeth Diller – die Architektin hinter der High Line und The Shed in New York. Diese Woche auf der ARCHITECTUREMATTERS in München. Ihr Satz: „Ich habe gelernt, mit offenem Ausgang zu bauen."
Diller Scofidio + Renfro haben immer wieder Projekte gebaut, die jahrelang keine feste Form hatten. Pläne, die sich x-mal geändert haben. Heute mit die einflussreichsten urbanen Projekte weltweit. Nicht weil sie auf Klarheit gewartet haben – sondern weil sie mit Unklarheit gearbeitet haben.
Das ist keine neue Idee. Ernest Shackleton hat das 1914 in der Antarktis auf die härteste Art gelernt. Schiff eingefroren, Expedition unmöglich. Er hat das Ziel neu definiert: nicht mehr der Südpol – sondern alle 27 Mann lebend zurück. Zwei Jahre später, ohne ein einziges Todesopfer. Weil er bereit war, die Richtung zu ändern, während er schon unterwegs war.
Das klingt nach Krisenmanagement. Ist es aber nicht. Es ist Strategie.
Und genau das braucht es gerade. Märkte, die sich verändern, bevor wir sie verstanden haben. KI, die Berufsbilder verschiebt, während wir noch diskutieren. Unternehmen, die auf „den richtigen Moment" warten - für die Positionierung, für den nächsten Schritt.
Diller hat noch etwas gesagt: „The future is by definition uncertain."
Strateg:innen wissen das eigentlich. Szenarien denken, nicht Gewissheiten suchen. Den nächsten Schritt gehen, auch wenn der übernächste noch im Dunkeln liegt.
Wer jetzt auf Klarheit wartet, wartet zu lang.



