Nachbericht „Jetzt wird's ernst"

Unter dem Motto „Jetzt wird's ernst" kamen am 26.März 2026 im Impact Hub Wien rund 60 Führungskräfte, Strateg:innen und Entscheider:innen zusammen – für einen Abend, der nicht beruhigen, sondern ehrlich sein wollte.
Moderator Stefan Schindele eröffnete mit einer persönlichen Geschichte: Wie er 2022 begann, mit ChatGPT Bilder für A1 zu generieren und Texte auszuprobieren. Wie der Wechsel zu Claude aus einem Schreibwerkzeug einen Denkpartner machte. Und wie er – ohne Programmierkenntnisse – irgendwann begann, eigene Apps zu bauen. „Ich bin sowas von kein Entwickler", sagte er – und genau das war der Punkt. Die Grenze zwischen „ich kann das" und „ich kann das nicht" existiert nicht mehr.
Der Rahmen: Jensen Huang hat OpenClaw auf der NVIDIAGTC 2026 als das neue Betriebssystem der Wirtschaft positioniert. Citrini Research warnt in „The 2028 Global Intelligence Crisis", dass die Schere zwischen Unternehmen, die Agentic AI produktiv einsetzen, und solchen, die noch evaluieren, in weniger als drei Jahren uneinholbar groß sein wird. Und die Umfrage unter den Teilnehmer:innen zeigte: 60 % haben bereits KI-Systeme produktiv im Einsatz – aber fast ebenso viele sehen fehlendes Know-how und unklare Zuständigkeiten als größte Bremse.
Stefan Erschwendner, Gründer und Managing Partner von Frontira, eröffnete mit einer klaren These: „Wer AI als bessere Suchmaschine nutzt, verliert gerade gegen Leute, die den Punkt verstanden haben." Erschwendner, dessen Micro-Brauerei-Demo mit OpenClaw es in die Keynote von NVIDIA CEO Jensen Huang schaffte, zeigte anhand konkreter Beispiele, was heute bereits möglich ist: Systeme, die 80 % repetitiver Arbeit automatisieren – in fünf Tagen. Nicht als Pilotprojekt. In Produktion. Die Botschaft war eindeutig: Das eigentliche Problem ist nicht dieTechnologie. Es ist die Unfähigkeit, sich Arbeit ohne Menschen auch nur vorzustellen.
Fred Mahringer, Senior Director People & Real Estate bei A1 Telekom Austria, brachte die Perspektive eines der größten Arbeitgeber Österreichs mit. A1 ist in jenem Bereich maximal betroffen, der im Anthropic Labor Market Impact Report am stärksten ausschlägt: Office & Administration, Legal, Business &Finance. Mahringers Kernthese: „Es geht nicht darum, AI einzuführen, sondern Organisationen so neu zu bauen, dass sie ohne AI gar nicht mehr funktionieren würden." Die Fragen, die sich daraus ergeben, sind unbequem: Welche Jobs verändern sich? Welche Kompetenzen brauchen wir noch? Wie plant man Personal, wenn sich Anforderungen alle paar Monate neu definieren? Eine Task Force, die diese Fragen ernsthaft bearbeitet, ist in Konzernen keine Option mehr, sondern Notwendigkeit.
In der anschließenden Diskussion verdichtete sich einzentrales Spannungsfeld: Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung und die Trägheit organisationaler Strukturen driften auseinander. Wer jeden Tag baut, hat die Nase vorn – das gilt für Einzelpersonen wie für Unternehmen. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell Organisationen lernen, Agents zu orchestrieren, statt Prozesse mit Menschen zu besetzen.
Und doch: Je konkreter die Möglichkeiten wurden, desto lauter wurde im Raum eine Frage, die im Abend bewusst offen blieb. Hinter jedem automatisierten Prozess steht ein Mensch, dessen Rolle sich verändert oder wegfällt. Hinter jeder Effizienzsteigerung steht eine gesellschaftliche Konsequenz, die weit über Unternehmensstrategien hinausreicht. Welche Arbeit bleibt dem Menschen vorbehalten – und wer entscheidet das? Wie gestalten wir Bildungssysteme, soziale Absicherung und demokratische Teilhabe in einer Welt, die sich schneller verändert als ihre Institutionen? Die Euphorie rund um das Mögliche darf nicht dazu verleiten, das Notwendige zu übersehen. Diese Fragen werden virulenter, nicht leiser und sie verdienen eine eigene, ernsthafte Auseinandersetzung. Strategie Austria wird diesem Thema einen eigenen Abend widmen.
Zwei Links, die im Abend eine Rolle spielten und fürdie Nachbereitung empfohlen wurden:
Die Studie „The 2028 Global Intelligence Crisis" von Citrini Research: citriniresearch.com
Die Geschichte der österreichischen OpenClaw-Micro-Brauerei: diepresse.com
Herzlichen Dank an unsere Gäste:
Stefan Erschwendner– Gründer & Managing Partner, Frontira begleitet Unternehmen bei der Automatisierung repetitiver Prozesse mit AI-Agenten. Seine Arbeit mit OpenClaw wurde auf der NVIDIA GTC 2026 von Jensen Huang präsentiert.
Fred Mahringer– Senior Director People & Real Estate, A1 Telekom Austria verantwortet die Personalstrategie eines der größten Arbeitgeber Österreichs und treibt die Workforce-Transformation durch AI aktiv voran.
Auswahl der Slides/Keynote Stefan Erschwendner:







