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Nachbericht „Futures Literacy"

Was wäre, wenn wir Zukunft anders denken könnten?
Nachbericht „Futures Literacy"
Strategie Austria
Published on
9.7.2026
3
min read

Was passiert, wenn man Menschen bittet, ins Jahr 2036 zu reisen – und von dort aus Fragen an die Gegenwart zu stellen? Genau das erlebten die Teilnehmenden beim jüngsten Strategie-Austria-Workshop "Futures Literacy" im Loft des Design Thinking Space in Wien. Acht Stockwerke über der Stadt, mit Weitblick in alle Richtungen – ein Ort, der kaum besser zur Aufgabe des Nachmittags hätte passen können.

Moderiert von Anouk Rehorek tauchte die Runde tief in eine Frage ein, die auf den ersten Blick einfach klingt, es aber nicht ist: Wie denken wir Zukunft – und wer gestaltet sie eigentlich mit? Im Mittelpunkt stand das Konzept der Futures Literacy, das von der UNESCO als Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts beschrieben wird: die Fähigkeit, Zukunftsbilder bewusst zu erkennen, zu hinterfragen – und neu zu denken.

Der Ausgangspunkt war bewusst unbequem: Unser Bildungsverständnis trägt noch ein Dogma des 20. Jahrhunderts mit sich – erst lernt man, dann arbeitet man. Doch in einer Welt, in der sich Werkzeuge, Berufsbilder und Gesellschaft schneller verändern als je zuvor, gerät genau diese Trennung ins Wanken. Was bedeutet das für Kreativität, für Ausbildung, für die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen?

Mit Methoden aus der Zukunftsforschung – dem Futures Triangle, der STEEP-Analyse, dem Futures Cone – arbeiteten sich die Teilnehmenden durch Megatrends, schwache Signale und mutige "What-if"-Hypothesen. Was wäre, wenn es ein neues Einkommenssystem gäbe: Alter mal Wissen gleich Stundensatz? Was wäre, wenn generationenübergreifendes Lernen Standard wäre? Was wäre, wenn jeder einen persönlichen AI-Tutor hätte?

Was den Nachmittag besonders machte, war die Haltung im Raum: Die Teilnehmenden brachten sich mit großem Engagement ein – neugierig, kreativ, und mit einer bemerkenswerten Ehrlichkeit. Gerade beim Thema Optimismus für die Zukunft wurde nicht beschönigt. Die Erkenntnis, die dabei auftauchte, trifft einen Nerv: Zukunftsbilder sind oft mutig bei Technologie – aber erstaunlich konservativ, wenn es um soziale Beziehungen und Zusammenleben geht.

Den Abschluss bildete ein Rollenspiel, das die entwickelten Szenarien lebendig machte: Teilnehmende schlüpften in die Rolle lernender Menschen aus dem Jahr 2036 – und richteten Fragen an eine Auskunftsstelle der Zukunft. Ein Moment, in dem spürbar wurde, wozu Futures Literacy wirklich befähigt: nicht dazu, die Zukunft vorherzusagen. Sondern dazu, im Heute mutiger zu entscheiden.

Der Workshop wurde von Strategie Austria veranstaltet – gemeinsam mit Studierenden und Lehrenden der Klasse für Ideen in Kommunikationsdesign der Universität für angewandte Kunst Wien. Ein herzliches Dankeschön gilt Florian Greimel, Ingmar Thiess und Paulus Dreibholz für das gemeinsame Konzipieren der Session.

Jana David-Wiedemann, Präsidentin Strategie Austria, nimmt aus dem Nachmittag folgendes mit: „Futures Literacy ist keine Übung für Optimisten – sie ist eine Einladung zur Ehrlichkeit. Wer sich wirklich mit möglichen Zukünften auseinandersetzt, muss auch unbequeme Bilder zulassen. Genau das hat dieser Nachmittag gezeigt: Mit bemerkenswerter Offenheit haben die Teilnehmenden nicht beschönigt, sondern hingeschaut. Und dabei erlebt, was Zukunftsdenken wirklich leistet – es öffnet Handlungsmöglichkeiten im Heute. Was mich besonders gefreut hat: All das geschah mit echter Leichtigkeit. Gerade das Rollenspiel in der Zukunft war geprägt von Kreativität und Freude – ein schöner Beweis dafür, dass ernsthaftes Denken und echten Spaß sich nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil."

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